Tamilnadu Places Wild life Hill Station Temples Sports Accommodation Cuisine Fine Arts Tourist Info Tamil Cinema
 

 

TamilSelvi News

Thursday, December 10, 2009

Mavinta Puranam Ein Essay von U. Ve. Caminataiyar

Für die staatliche Handschriftenbibliothek in Madras, die Palmblattmanuskripte sammelte, war der Sanskritprofessor am Presidency College, Rav Pakatur M. Rangacariyar, als Leiter tätig. Als ich anfangs beruflich nach Madras kam, zeigte er mir den neu erstellten ausführlichen Katalog der Tamil-Manuskripte jener Bibliothek. Für die Einrichtung der Bibliothek waren große Summen aufgewandt worden. Zahlreiche Personen waren darin beschäftigt. Es gab dort auch Palmblattmanuskripte in Telugu, Kannada und Malayalam.
Als der Bibliotheksdirektor mir den Bücherkatalog überreichte, sagte er: "In unserer Bibliothek haben wir diesen Katalog erstellt. Es wäre hilfreich, wenn Sie ihn durchgingen und, falls nötig, Korrekturen vornähmen." In dem Katalog befanden sich die Titel zahlreicher Tamil-Werke. Und in diesen Titeln gab es nicht wenige Fehler.
Die Aufgabe, die jener Herr mir gab — mir, der ich so sehr danach verlangte, etwas über Palmblattmanuskripte zu erfahren —, war als ob Lohn dafür gezahlt würde, daß man Zuckerrohr kaute. Meine Idee war herauszufinden, welche Manuskripte in dieser Bibliothek vorhanden waren, und, falls etwas für mich von Nutzen wäre, Gebrauch davon zu machen.
Deshalb sah ich den Katalog neugierig durch. Ich fand darin die Titel vieler Pirapantas, Puranas, Grammatiken, Lehrbücher, medizinischer, astrologischer und anderer Werke aus verschiedenen Fachbereichen. Es gab zwar nicht viele Cankam-Werke, doch aus späterer Zeit waren zahlreiche Werke vorhanden. Auch wenn es gedruckte Bücher gab, waren mit Hilfe der Palmblattmanuskripte viele wertvolle Korrekturen erhältlich. Deshalb, wann immer ich irgendwo Palmblattmanuskripte fand und mich erinnerte, daß sie bereits in gedruckter Form vorlagen, blieb ich nicht gleichgültig. Die Zweifel, die in den gedruckten Kopien seit langer Zeit ungeklärt geblieben waren, wurden gerade durch die auf den Palmblättern zu findenden unterschiedlichen Lesarten ausgeräumt. Daher hatte ich vor, von den in jener Bibliothek vorhandenen Manuskripten so ausgiebig wie möglich Gebrauch zu machen.
Aufmerksam sah ich den Buchkatalog durch. In der Reihe der Puranas fand ich einen Titel "Mavinta Puranam". Diesen Titel hatte ich vorher noch nirgendwo gesehen oder gehört; es gab wohl ein Werk namens "Mavintam", welches von den Ereignissen nach Tarumaputtirars Krönung erzählte. Es war in sehr einfachem Stil gehalten. Zuerst vermutete ich, dies könnte es sein. Dann aber, da es Mavinta Purana hieß, kam mir der Verdacht, dieses Werk könnte ein Sthalapurana(1) sein. Ich überlegte, wo es einen heiligen Ort namens Mavintam gab. Mir fiel kein solcher Ort ein. Devi [die Göttin] nennt man gewöhnlich Mavintacani(2). Ich nahm an, es könnte ein Purana sein, das den Ruhm der im Vindhyagebirge residierenden Göttin verkündet. Zwischendurch kam mir auch der Verdacht, es könnte ein Werk sein, das zu einer anderen Religion gehört.
Dann fielen mir Titel von Werken anderer Glaubensrichtungen ein, wie Vacavapurana und Cantipurana(3). 'Gut, ich muß mir dieses Buch ansehen', entschied ich.
Von Neugier getrieben lief ich eilig zu der Bibliothek. Viele Leute pflegten dorthin zu kommen, um Manuskripte zu lesen und sich Notizen zu machen. Um ihnen die Bücher, die sie benötigten, herauszusuchen, gab es Angestellte.
Ich nannte die zum Mavinta Purana gehörende Nummer und bat den dortigen Beamten, es kommen zu lassen. Er schickte einen Angestellten. Dieser ging, ganz wie es seine Gewohnheit war, Schritt für Schritt, um das Buch herauszusuchen. Sah er denn nicht, daß ich es eilig hatte? Ich wurde nun sehr wütend auf ihn. Was konnte ich tun? Würde das Buch denn gar nicht kommen? Ich tröstete mich mit dem Gedanken: "Sollte einer, der geduldig gewartet hat, bis das Essen bereitet ist, nicht auch warten, bis es abgekühlt ist?", und wartete geduldig.
Nachdem der Angestellte eine Viertelstunde zugebracht hatte, brachte er ein Manuskript und gab es mir in die Hand. Hastig öffnete ich es und sah es mir an. Im vorderen Teil davon fehlten einige Blätter. Sobald ich es geöffnet hatte, las ich das erste Blatt. Meine Ungeduld verschwand, ohne daß ich den Grund kannte. Es war wie 'eine Ratte zu fangen, nachdem man sich durch einen Berg gegraben hat'. Große Enttäuschung überkam mich. `Nur dafür bin ich so neugierig gelaufen gekommen!' so verspottete ich selbst mein Tun.
" Wer ist denn der intelligente Mensch, der diesen Katalog erstellt hat?", erkundigte ich mich bei dem Beamten.
"Unser Bibliothekspandit", sagte er.
"Pandit?" fragte ich verblüfft.
"Ja", sagte er nachdrücklich.
"Könnte ich ihn wohl treffen?"
"Oh! Selbstverständlich können Sie ihn treffen."
Er schickte nach ihm, und der Pandit kam. Schon während er kam, merkte ich, daß er die Eigenschaft besaß, nichts für wichtig zu erachten.
" Sind Sie es, der diesen Katalog erstellt hat?" fragte ich ihn.
"Ja, wer sonst sollte ihn erstellen? Ich selbst habe die Palmblattmanuskripte untersucht und mühselig bestimmt."
"Tatsächlich! Darin befindet sich doch der Titel eines Buches namens Mavinta Puranam; wie haben Sie diesen Titel herausgefunden?"
" In diesem Katalog ist doch nun wirklich alles verständlich. Nur das Buch selbst wird es Ihnen sagen. Wenn Sie es sehen, werden Sie alles wissen."
"Nachdem ich den Katalog gesehen hatte, habe ich das Buch gesucht. Hier ist das Manuskript. Seinen Titel "Mavinta Puranam" haben Sie geschrieben."
"Ja. Ich selbst habe ihn nach genauer Untersuchung und reiflicher Überlegung herausgefunden und angegeben."
Als ich seines Charakters gewahr wurde, war ich einerseits belustigt und andererseits verärgert.
"Auf welcher Basis haben Sie untersucht?" erkundigte ich mich weiter.
"Geben Sie es her! Ich sage es Ihnen." Der Pandit nahm mir das Manuskript aus der Hand. Er las den Vers darin.
"Ich werde die wohlhabende Stadt Mavinta beschreiben" stand zu Beginn des Kapitels. Dies las er vor. — "Sehen Sie sich dieses Gedicht an. Darin steht doch eindeutig der Name Mavinta. Erkennen Sie das nicht? Zeigt nicht schon dieser Name, daß dies das Purana eines heiligen Ortes namens Mavinta ist? Während doch schon auf der ersten Seite dieser Hinweis steht, stellen Sie mir Fragen, ohne dies zu beachten!" sagte er; nun war sein Tonfall noch erhabener als vorher. Seiner Meinung nach verstand ich die Angelegenheit aufgrund meiner Unwissenheit nicht.
Während er redete und redete, konnte ich ein Lächeln nicht unterdrücken. "Haben Sie Naitatam(4) gelesen?" fragte ich.
"Ich soll Naitatam nicht gelesen haben? Ich bin der Schwiegersohn eines großen Gelehrten", sagte er mit einem leichten Anflug von Ärger. Sofort rief ich einen Angestellten, der in der Nähe stand.
" Junger Mann, wenn es in dieser Bibliothek ein gedrucktes Exemplar des Buches Naitatam gibt, bring(5) es bitte her", sagte ich. Er brachte es. Ich schlug es auf und deutete auf den zuvor erwähnten Vers, der am Ende des Nattuppatalam(6) stand. Der Pandit sah es sich an.

Ich werde nun die Pracht der wohlhabenden Stadt
Mavinta beschreiben, die der Götterwelt gleicht, weil in
ihr Nacht und Tag nicht zu unterscheiden sind aufgrund der
blendenden Strahlen, die all die glanzspeienden Juwelen
aussenden, welche die Damen, deren Blicke [scharf wie] Speere aus
der Werkstatt des Schmieds sind, abgelegt haben, nachdem sie mit
ihren Ehemännern gestritten haben,

— so lautete jener Vers.(7)
"Sie scheinen sich Naitatam nicht richtig angesehen zu haben. Wenn Sie in diesem Manuskript nur ein wenig weitergeblättert hätten, wäre auch Ihnen klar geworden, daß dies die Geschichte von Nala ist. Nun, was geschehen ist, ist geschehen. Damit andere nicht auf die gleiche Weise enttäuscht werden wie ich, ändern Sie bitte nun den Titel dieses Manuskripts in Naitatam, sagte ich.
" Haben Sie denn alles, was Sie gelesen haben, im Gedächtnis? Daß man bei einem von tausend einen Fehler macht, ist doch wohl normal", murmelte der Pandit und begab sich anderswohin.
Darauf ging ich zu Rav Pakatur Rangacariyar und teilte ihm mit, er solle den Buchkatalog erst veröffentlichen, nachdem er ihn von Anfang an genau überprüft hat. So nahm er einen anderen qualifizierten Pandit, ließ ihn das Ganze durchsehen und veröffentlichte den Katalog.


ANMERKUNGEN

Original-Titel:Mavinta Puranam, in: Ninaivu manjari (mutar pakam), S.36-41.

1: So der Sanskrit-Terminus; im Tamil eigentl. talapuranam. Jeder heilige Ort (Skt. sthala) hat ein sthalapuranam, d.h. eine (meist legendäre) Entstehungsgeschichte.
2: mavinta, Skt. mahavindhya, bezeichnet das Vindhyagebirge, einen Höhenzug in Nordindien. - vintacani, Skt. vindhyasani, bedeutet "die, deren Sitz die Vindhyaberge sind".
3: Vacava Purana: Purana über Vacavatevar (i.e. Basava, der Gründer der Viracaiva Sekte, 12.Jh.) und andere Lingayat-Heilige. — Canti Purana: ein jainistisches Werk, von dem nur acht Verse in der Sammlung Purattirattu erhalten sind.
4: Ein Werk des 16.Jahrhunderts, von Ativirarama Pantiya, welches in 12 Kapiteln, dem Skt.Naishadhacarita von Shri Harsha (12.Jh.) folgend, die Nala-Episode des Mahabharata erzählt.
5: Im Tamil ist es üblich, Untergebene mit einer Anredeform von geringer Höflichkeit anzusprechen, welche im Deutschen am ehesten mit "du" wiedergegeben werden kann.
6: Das Kapitel, welches das Land beschreibt. — Jedes traditionelle epische Werk enthält einleitende Kapitel, die zur Beschreibung (und Lobpreisung) des Landes, der Stadt, der Flüsse, etc. dienen.
7: Übersetzung unter Zuhilfenahme der Ausgabe von N. Katiraiverpillai, Naitatam mulamum uraiyum, Madras, 1924 (6. Aufl.).

Labels: , , , , , , , , ,

0 Comments:

Post a Comment

<< Home

 

 
History of Tamil Nadu | Tamil Nadu Tourism | Tamil Nadu Education | Tamil Nadu Festivals | Tamil Nadu Cuisine | Tamil Nadu Shopping | Tamil Nadu Hotels | Sitemap | Articles | News | Contact Us